Zweifel


In lange Unterhosen und mit dicker Zigarre im Mund posiert er vor einem großen Spiegel. Er sah sich als zukünftigen reichen Geschäftsmann und übt sich in der des Reichen in einem Hotelzimmer. Es ist eine ihrer ersten großen Auftritte, der den Weg zum Ruhm abzeichnet.

Es ist Robert Biberti , die Bassstimme der Comedian Harmonists. Er ist der Sohn eines Opersängers, der seine Stimme durch ungesunden Lebenswandel und Alkohol ruinierte. Robert übernimmt die Geschäfte der Comedian Harmonists,. Das Klangbild des Vokal-Ensembles wird Welt berühmt. 1935 löst sich das Ensemble auf, die jüdischen Mitglieder gingen ins Exil nach Amerika.

Was von ihnen bliebt, sind ihre Lieder, die sich bis heute als Ohrwurm “Ich bin dein kleiner Kaktus” in unseren Köpfen gehalten hat. Das Ensemble hat seit dem viele Nachahmer gefunden.

Vor dem Spiegel steht in Wahrheit nicht Robert Biberti, sondern Ben Becker, in der Rolle der Bassstimme. Diese Szene und andere Szenen in dem gleichnamigen Film mit Ben Becker sah ich die schauspielerische Leistung von Ben Becker zum ersten mal in seiner ganzen Pracht. Perfekt spielte der den rauen Mann mit dem weichen Kern. Danach lies ich kein Film aus, in der er als Schauspieler mit wirkte.

Lange Zeit war nichts mehr von ihm in den Medien zu sehen. Um so mehr erschrak ist gestern, als die Schlagzeilen von seinem Kollaps, von Alkohol und mysteriösen Besteck durch die Medien ging. Er liegt im Krankenhaus und wäre außer Lebensgefahr, so heiss es.

Ich hoffe, es wird für Ben Becker alles wieder gut und ich kann ihn bald wieder als Schauspieler genießen. Ein ungesunder Lebenswandel und Alkohol ruiniert nicht nur eine Bassstimme, sondern leider auch den ganzen Menschen. Ben Becker musste diese Lektion gestern auf schockierenden Weise lernen.
Bildquelle: www.musik-base.de

Am Ende eines Filmes - ich kann mich an dem Filmtitel nicht mehr erinnern - gehen zwei gescheiterte Ganoven desillusioniert eine Langstraße entlang und machen sich Gedanken um ihre weitere Zukunft.

Der Vorschlag eines Kumpanen:”Laß uns Hunde züchten”.

“Warum grade Hunde?” fragt wundernd der andere Kumpane.

“Wenn es in der Gesellschaft kälter wird, dann schaffen die Menschen sich Hunde an”

Dann verschwinden die beiden Ganoven am Horizont der Landstraße und was bleibt ist der Nachhall ihrer letzten Worte.

Wenn es in der Gesellschaft kälter zugeht, dann schaffen sich die Menschen Hunde an.

Den Film - dessen Titel ich nicht mehr weiß - sah ich vor ca. 10 Jahren, vielleicht ist es sogar noch länger her.

Damals kamen aus den Häusern vereinzelt Herrchen oder Frauchen mit ihren Hunden auf die Straße um Gassi zu gehen. Später kamen aus jedem Haus vereinzelt Herrchen oder Frauchen mit ihren Lieblingen auf die Gassirunde, auf der ich damals auch mit meinem Liebling auf Schnupper- und Gassitour war. Mein Hund - ein Pekinese - hatte alle Eigenschaften, die ich auch an Menschen mag. Herausragend war seine stetig wiederkehrenden überschwengliche Wiedersehensfreude, die er mir als Begrüßungsritual ungebrochen entgegenbrachte. Dabei ging mein Herz auf und lies eine wärmende Sonne aufgehen. Mein Hund - ein Liebhaberstück - spiegelte mir die Eigenschaften des Menschen wieder.

Man sagt, der Hund hält den Menschen einen Spiegel seiner Wesenszüge vor.

wachender Hund für einen mit leeren Pfandflaschen beladener Kinderwagen

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Die richtigen Worte für den Anfang zu finden ist schwieriger, als in den Fluss zu kommen. Das trifft für so vieles zu. Egal, ob es eine Tätigkeit ist, die ich nicht mag oder ob es das Niederschreiben eines Gedanken oder einer Geschichte ist. Die ersten Worte zu finden, ist, als wollte ich eine schwere Lok auf die Gleise setzen, allein und ohne Hilfe. Hilfsmittel dafür stehen zwar bereit, doch weiß ich sie just in dem Moment nicht einzusetzen. Ich meinem Kopf rücken alle die Gedanken, die z.B. bei meiner Niederschrift auch mit berücksichtigt werden wollen, klopfend meine Stirnwand: “Ich - ich - ich - ich”. Wie eine kleine Schar Kinder drängeln sie sich nach vorn, nur damit ich ihnen Beachtung schenke. Es gibt so viele Themen, über die ich schreiben könnte und möchte.

Und es gibt vielen Geschichten, die ich niederschreiben möchte. Doch diese liegen noch schwer und träge im tiefen unbewussten Grund, zu dem ich noch nicht vordringen konnte. Nur ab und zu geben sie mir einen Blitzgedanken wie eine Titelzeile ins Bewusstsein und lassen sie bei mir zurück. Das ist der Moment, an dem all die quirligen Gedanken sich zurück stellen lassen und abwartet auf eine Geschichte hoffen, die sich mit der Titelzeile angekündigte.

Doch statt der Geschichte erlebe ich nur einen leeren Raum, der mein Fassungsvermögen frei schwebend und narvigationslos im Weltraum trudeln lässt. Ein kleine Ausguck zeigt mir nur wirre Geistesblitze, die ebenso wie mein Fassungsvermögen frei und zusammenhangslos frei schweben lässt. Sie kommen und schwirren schneller vorbei, als ich sie erfassen und ergründen kann. Dann schwinden sie auch schon wieder aus meinem Blickfeld auf nimmer Wiedersehen. Mit den Wissen, dass diese Blitzgedanken da sind und mit der Ahnung, dass sie alle irgendwie mit der Titelzeile in der Verbindung stehen, muss ich sie wieder ziehen lassen und darauf hoffen, dass sie sich wieder zeigen werden, wenn sie in das von mir entworfene Bild passen und sie sich dann wie ein Puzzle in dieses Bild wie von selbst einfügen.
Der sanfte Druck, ein Bild zu entwerfen und das dazu gehörige Puzzle zusammenzutragen, ist bei mir permanent vorhanden. Er ist nicht bedrückend, aber doch immer präsent. Er will mich wohl daran erinnern, dass ich ihn nicht einfach abhängen kann und darf und ihn wie eine zu eng gewordene Garderobe einfach ablege. Dann lässt er eine für mich eine diffuse Wehmut zurück und ich werde traurig, als hätte ich mein Kind für immer in fremde Hände gegeben. Die Wehmut lässt mich nicht zu Ruhe kommen und so muss ich mich wieder dem unterschwelligen und sanften Druck zuwenden, der mich zwingt die Schwierigkeit des ersten Wortes zu überwinden und um endlich in Fluss zu kommen.

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