„Wir leben in einem gelobten Land“ sagte meine Oma immer. Und damit brachte sie nicht ihre religiöse Seite zum Ausdruck, sondern es war ihr empirisches Wissen zu unseren Lebensbereich hier oben in Norden von Deutschland. „Bevor das Unwetter bei uns hier angekommt, hat es sich woanders schon ausgetobt.“
Ihre Worte in Gottes Gehörgang, so dachte ich als Kind. Schon damals erkannte ich die langfristige Beruhigung in den Aussagen meiner Eltern bzw. Großeltern. Deshalb blieben mir diese Worte meiner Oma bis heut noch in Erinnerung und wenn über die Medien von Überschwemmungen in anderen Landregionen erfahre, lehne ich mich beruhigt zurück. Meine Oma hat ja gesagt „Bei uns nicht“.
Doch als ich gestern von der Arbeit nach Hause kam, schienen die beruhigenden Worte meiner Oma das erste mal ihre beruhigende Wirkung zu verlieren. In kurzer Zeit zogen sich die dunklen Wolken zu schwarzen Wolken zusammen, sanken sich über Rostock ab. Sie waren extrem mit Wasser geladen und es konnte sich nur um Minuten handeln, bis der ganze nasse Segen runter kommt. Ich war grad mit dem Bus unterweg und hoffte darauf, noch unter den schwarzen Wolken trocken nach Haus zu kommen. Aber das war nur ein frommer Wunsch. Es platzte das Wasser wie aus einer Wasserbombe auf die Erde und verwandelte alles um mich herum in ein Grau ins Grau. Nur noch schattenhaft konnte man die Bäume im Hintergrund erkennen.
Von der Bushaltestelle bis zu mir nach Haus war e snur wenige Minten, doch reichte er, dass ich trotz Regenschirm bis auf die Haut naß wurde. Der Regen kam von allen Seiten, er ergoß sich von oben, sprüchte mich von der Seite voll und von unten spritzen das Wasser gegen meine Hose.. Eine Minute nahm ich mir Zeit, das Wasserspektakel per Kamera festzuhalten, während die anderen vor dem Wasser von oben flüchteten.
Das war der Moment in dem das Vertauen in den Worten meiner Oma ins wanken kam. es stieg für einen kurzem Moment eine Vision in meinen Kopf, in der ich meine Wohnung unter Wasser sah.
„Was ist, wenn es jetzt nicht mehr aufhört und das Wasser ungehintert steigt?“
„Was ist, wenn die Kanalisation die Wassermengen nicht mehr aus der Stadt leiten kann?“
„Was ist, wenn die Rückstauklappen am Haus versagen und das Wasser über´s Bad in meine Wohnung – sie liegt im Erdgeschoß – läuft?“
Das erste mal rückte die Angst vor Unwetter in eine gefühllte . Das erste mal konnte ich die Not der Menschen besser nachvollziehen, die von Unwetter so stark getroffen werden, dass sie sogar ihr Hab und Gut verlieren. Als in meiner Wohnung stand, war ich froh, dass doch kein Wasser aus dem Bad in meine Wohnung gluckerte. Kurze Zeit später erfüllten sich die Worte meiner Oma doch noch und der Regen endete so plötzlich, wie er gekommen war und am Horizont öffnete sich wieder die Wolkendenke für die untergehende Sonne.


