Tieflader


Schon lange dachte ich nicht mehr an ihn, doch gestern Nacht trat er nach Jahren wieder in meine Erinnerung. Es liegt schon lange zurück, sehr lange zurück. Er bekam einen neuen Job - heut würde man Sozialarbeiter sagen. Ja auch in DDR-Zeiten gab es Familien, die mit den Leben nicht zurechtkamen. Sie wußten einfach nicht oder wollten es auch nicht wissen, wo es lang geht. Da wollte er helfen, ihnen helfen und trat seinen Dienst mit sehr viel Elan an.

Nach 12 Monate Dienst traf ich ihn wieder. Er erzählte mir von seinem Job als Sozialarbeiter. Aus seiner nun veränderten Sicht gab es jetzt nicht nur ein paar Familien, die Hilfe brauchten, sondern meine Stadt war von “hilfebedürtigen” Familien überschwemmt und er sah nur noch Verwahrlosung um sich herum. Ich trat wegen der Übermacht seiner düsteren Informationen einige Schritte zurück, brachte mich damit auf eine sichere Distanz. Ich befürchtete einfach, dass er mich in seine Düsternis für Tage hineinzog und mir damit die klare Sicht auf den Rest der Welt nahm.

So wie ich damals auf Distanz ging, so tue ich es heut auch, wenn es um die Medienschlacht rund um den G8-Gipfel geht. Das hält der Mensch im Kopf nicht aus. Nachdem ich die ersten Senstatiionsberichte noch konsumieren konnte, schaffte ich es später nicht mehr über die Schlagzeilen und seit gestern spüre ich eine Art allergischen Reiz, wenn ich Schlagzeilen lese, die mir im Grunde klar machen sollen, dass eigendlich die Polizei die Verbrecher der Nation sind. Sie hätten den schwarzen Block mit unlauteren Absichten durchsetzt und zur Gewalt aufgerufen. Und und und und … die Beweisführungen überschlagen sich. Jeder Berichterstatter will mir damit sagen “Siehst du? Ich habe doch recht gehabt. Die Polizisten sind die wahren Verbrecher der Nation”

Doch bevor aus der allergischen Reaktion eine chronische Allergei wird,  ziehe ich mich lieber aus dem aufklärenden und hystersichen Informationsdrang der Medien zurück. Ich kann und will auch nichts mehr hören und lesen und suche nach objetiven Berichten, die mir einen klaren Überblick über das Gesamtgeschehen und über das Für und Wider zum  Geschehen rund um den G8-Gipfel verschaffen.

Und siehe da, es geht wieder. Ich kann wieder nah an das Thema ran, hab nicht mehr das Gefühl, dass mir  jemand eine überlautstarke Schlagzeile ins Gesicht brüllt oder hammerhart um die Ohren schlägt. Und was noch viel wichtiger ist, ich trau mich immer noch, wenn es eine Situation verlangt, angstfrei nach der Polizei zu rufen.

Die Aggressionen der Autonomen nehmen kein Ende. Verschanzt in den Stadtteilen Lütten Klein und Lichtenhagen planen sie einen weiteren Supergau?

Grad erhielt ich einen Anruf von einer Bekannten aus Lütten Klein. Dort sind wieder Hundertschaftern aufgezogen, riegeln alles hermetisch ab. Niemand kann ohne Kontrolle rein oder raus.

Eine Bombendrohung der Automonem soll der Grund dafür sein. Eine Spregung eines Hochhauses in Lichtenhagen. Doch dort gibt es nur ein Hochaus - das, in dem von 12 Jahren eine unhaltbare Situation eskalierte.

So an die 200 Autonomen konnten am Samstag in der Stadt abtauchen und wie es aussieht, werden sie heut wieder aktiv.

Die Polizei hat keine leichte Aufgabe - ich kann nur hoffen, dass sie die Autonomen bald unter Kontrolle bekommen werden.

Wenn ich das alles an mir revuepassieren lassen, dann sehe ich hier einen Krieg der Autonomen gegen die Polizei. Wann sonst treffen sie auf so eine geballte Ansammlung eines Polizeiaufgebotes, als hier und jetzt.

Nach den Ereignissen, die nun schon seit Samstag medienmäßig um die Welt gehen, dann sehe ich die Autonomen eher als eine neue Variation von Terrorismus

Das Orginal meiner Stadt spielt für die Medien auf.

Die ersten Geschäfte machen dicht - so dicht, das nichts mehr durch paßt.

Der Rostocker Hof - es großes Haus der Stadt.

Was blebt, sind Türen, so eng wie eine Wohnzimmertür..

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So gemütich stellt sich meine Stadt in allen Tagen dar. Straßenmusikaten begleiten die Passanten der größten Einkaufsstraße von Rostock - der Kröpeliner Straße.

Der Uniplatz ist nicht nur eine LiegeOase für Studenten.

Doch ab heut sieh es  im Zentrum unserer Stadt alles anders aus.

Die Geschäfte haben vor ihren Türen Barrikaden aufgebaut. So wollen sich die Geschäftsleute und Händler vor möglichen Ausschreitungen schützen, die sicher in Folge der ersten Demonstration zu erwarten sind.

Morgen - ab 13 Uhr - ist die Innenstadt für die erste Demo gesperrt.

Ich wohne und lebe am Rande des Geschehens, das sich in den nächsten Tagen weiter entwickeln wird. Niemand weiß, was meine Stadt erwartet und doch steht Rostock  im Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen in Heiligendamm im Mittelpunkt des Weltgeschehens.

Wie so oft - so auch im Zusammenhang mit dem Gipfelstreffen - stelle ich mir die Frage, ob die hohen Herren und Frauen des Gipfels die vielen Anliegen der Demos überhaupt bis in ihr Bewußtsein vordringen lassen?

Reichen Demos wirklich aus, um eine Wende in der Wirtschaftspolitik zu erreichen? Eine Wende, die die Richtung des Geldflusses in die Hände lenkt, die das Geld am nötigsten haben. Die Armut der dritten Länder - woher stammt diese Formulierung überhaupt - schreit zum Himmel und jeder, der über einen gesunden Menschenverstand verfügt weiß, das die Ausbeutung dieser Länder nicht endlos weiter geführt werden kann. Irgendwann fällt es den Industrienationen sowieso auf den Kopf.

Doch die Reniten sollen wie eine Springquelle weiter fließen - fließen in die GeldSäcke, die sowieso schon zum bersten voll sind.

Eigentlich wollte ich über Sätze schrieben, die auch dem 10 x anschauen schmerzlioch in meinem Ohr klingen.

Da ist zum Beispiel der Film “Dirthy dancing”. Den Film hat bestimmt schon jeder einmal gesehen. Die Romanze bewegt sich einfach schön im Klieschee und der Zuschauer kann im Film noch einmal in seiner Jungendliebe schwelgen, wenn dieser vermalledeite Satz nic ht wäre, der aus dem Hinterhalt kommt. “Baby, halt den Rücken grade, oder willst du einen krummen Rücken?” Der Satz schmerzt und durchlöchert jedesmal meine aufsteigende Romantik.

“Der Kindergarten COP” mit Arnold Schwarzenegger enthält auch so einen wirklich blöden Satz. Zusammengeschlagen liegt das Muskelpaket in der Klinik und muß sich von der Schwester widerwillig füttern lassen. Seine Kollegin bricht die Futterfolter für den COP ab, bittet die Schwester mit der Fütterung ein Ende zu machen. Entschuldigend bricht die Krankenschwester die Fütterung mit den Worten “Aber er soll doch groß und stark werden” Und wieder ist es passiert - die Filmromantik ist im A…….

Ja…das wollte ich eigentlich schreiben - etwas lustiges - etwas spaßiges. Doch dabei kam mir wieder in den Sinn, das Arni als Gouverneur von Karlifornien schon mal real über Leben und Tod eines anderen entscheiden mußte. Das machte weiltweit Schlagzeilen.

Obwohl Arnold Schwarzenegger Gespräche mit den Anwälten des Verurteilten führte, lehnte er das Gnadengesuch ab. Auch der Oberste Gerichtshof der USA sprach sich kurz danach gegen eine Begnadigung aus. Williams wurde am 13. Dezember 2005 um 0:35 Uhr Ortszeit (9:35 MEZ) mit der Giftspritze hingerichtet. Als Henkersmahlzeit hatte er sich nur ein Glas Milch gewünscht Zitat Wikipedia

Während seiner Haftzeit machte Wiliams sich einen Namen als Kinderbuchautor und wurde sogar 9 mal zu einem Nobelpreis vorgeschlagen. Doch als sein Gnadengesuch - das Todesurteil auf lebenslange Haft umzuwandeln - auf den Tisch von Arni kommt, winkt Arni ab und läßt den Kinderbuchautor hinrichten.

Ich finde das makaber und mir kommt die Hinrichtung immer dann wieder in den Sinn, wenn die Fernsehsender wieder einmal den Film “Kindergarten COP” ankündigen.

Einen zum Toder bestraften in Haft zu halten, kostet Amerika mehr Geld, als eine lebenslange Haft. Aber Arni wächst über seine Rolle als Terminator hoch hinaus und arbeitet schon an der Effektivität der zukünftigen Hinrichtungen.

Das Leben ist Action - der Schlachtruf seiner Wahl klingt wieder in meinen Ohren.

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