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Ich hab einige Argumente zur Rechtfertigung zur Gewalt in verschiedenen Kommentaren gelesen.  Von der Argumentation ähnlich aufgezogen, wie die Argumente der jungen Frau, die das Video kommentierte. Sie haben etwas gemeinsames.
Sie legen klug ausgewählte, auf soziale Brennpunkte gerichtete Argumente für die Rechtfertigung ihrer Gewaltbereitschaft in die Spur. Das das Selbstbetrug ist, übersehen sie großzügig.

Wenn ich ihre Worte lese oder höre, schiebt sich in mir der Blutdruck und auch eine kleine Aggressionswelle hoch und ich verspüre das Bedürrfnis, einfach nur dagegen zu halten. Aber das war es dann auch schon für mich. Es dauert noch etwas, bis die Gegenargumentation sich aus meinen Gedankengängen verflogen sind.

Doch wer ein hoches Potential Aggression in sich trägt und sich dessen nicht bewußt ist, der wird immer nach einem Spannungsfeld suchen, in dem er seine Gewaltbereitschaft ausleben kann.

Es liest sich vielleicht jetzt etwas weit her geholt, doch bringe ich diesen Gedankengang jetzt mit ins Spiel.

Bei meiner täglichen Arbeit im Kindertraining erlebe ich die Anfänge dieser Gewaltbereitschaft noch im Kleinformat. In bestimmten Stadtteilen stecken einige Kinder -  aus welchen Gründen auch immer - bis zum Hals in Aggressionen. Es dauert nur wenige Minuten, bis die wenigen sich zusammnegefunden haben, die ihrer (unbewußten Aggression) Luft machen wollen. Dann dauert es nur noch kurze Zeit - nachdem die Gemüter sich erhitzt haben - und ich hab die ersten Schlägereien in der Sporthalle. Sind die kleinen Gewaltbereiten erst angetippt worden, öffnet sich das Ventil ihrer Aggression und sie finden kein Ende mehr. Sie kleben zusammen, als trügen sie gegenpolige Magnete in sich.
Eine Regulierung der aufkommenden Aggression durch den Trainer bringt immer wieder die selben Verteidigungsargumente hervor - “Der hat angefanden”.
Es gelingt mir zwar, den einen oder anderen so einzuschüchtern, dass er sich für den Rest der Stunde zurück hält, doch damit hebe ich die heranwachsende Aggression nicht auf. Ich weiß, bei der nächsten Gelegenheit geht es weiter.

Die Weiterdelegierung der Schuld - die sich aus ihrer Gewaltbereitschaft ergab - auf die Anderen ist typisch für die Ausraster. Die Ursache für ihre Aggression ist vielfältig. Doch einige von ihnen werden sich irgendwann ein Pool suchen, in dem alle ein ähnliches Potential haben. Die Hemmschwellen zur Gewalt sinkt weiter nach unten.

Ich sah die ausführenden Autonomen in Rostock - sie kamen ja auf mich zu (da waren sie ja schon auf der Flucht). Die, die ich sah - das waren Jungs - noch grün hinter den Ohren, haben vielleicht außer Zerstörung in ihrem Leben noch nichts geleistet.

Aber warum die jungen Menschen diesen Weg der Gewalt im großen Stil wählen und damit vielleicht sogar Menschenleben anderer gefährden, dafür kann es auch viele Gründe geben. Vielleicht kann eins Grund sein, dass unsere Wohlstandsgesellschaft zum Beispiel traditionell und emotional verarmt.

Ich sehe darin eine andere aber nicht weniger gefährliche Form einer neuen Armut unserer Wohlstandsgesellschaft.

Ich gebe zu - mit Herzklopfen hab ich mich heut auf den Weg gemacht. Doch sollte die Demo nicht ohne mich stattfinden. Mit der Straßenbahn lies ich mich ganz nah ran fahren. Das erste Eindruck der Demo ist eine leere Straße, die sonst mit dichter Zahl vom Autos frequentiert wird.

Die Straße wird frei gtehalten, denn sie führt zum Stadthafen. Da soll ja die Kundgebung statt finden.
Die Polizeiaufgebote sind nicht zu übersehen.

Dann treffe ich auf die Demonstranten, von denen viele von weit angereist sind, nur um dabei zu sein.

Ich bin bewegt über die Friedlichkeit und über das politsiche Engagement, das so viele Menschen nach Rostock geführt hat. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, sie alle entspringen einer bewegenden Emotion, die meinen alten und schon längst vergessenen revolutionären Kampfgeist wieder wach riefen.

Ich ziehe mit der Menschenmasse. Sie ziehen Richtung Stadthafen.

Viele schöne Bilder kann ich machen.

Wie zum Beispiel von dieser Schönheit:

Diesem Paar:

Oder diesem Paar:

Dieser Aussage:

Oder diesem Durstenden:

Dieser Tanzgemeinde:

Oder diesem Tänzer:

Dieser Liegewiese:

Oder dieser Mahnung:

Diesem Demonstranten:

Dieser Gläubigen:

Diesen Erschöpften:

Dieser Abwehrenden:

Diesen Kletterern:

Doch dann, als die Kundgebung von der Polizei frei gegeben wurde, verwandelte sich die friedliche Stimmung in eine andere - eine, die in mir ein unbehagliches Gefühl aufstiegen lies.

Es kam Bewegung in die Polizei. Unter Buh-Rufen lief sie im Sturmschritt durch die Massen. Selbst die Polizei machte auf mich einen nervösen Eindruck.

Sie bewegte sich im Sturmschritt durch die Massen und Straßen:

Eine Sammlung der Polizei am Brennpunkt:

Die Polizei rückt von einen Punkt zum anderen:

Ich ziehe mich zurück und treffe auf dem Boulevard auf die Autonomen, die auf der Flucht sind:

Die friedliche Demo wurde durch wenige in kurzer Zeit verwandelt und eskalierte. Als ich die Innenstadt zu Fuß verlasse,sehe ich im Rückblick einen Rauchschwaden aufsteigen.
Die Nachrichten berichten über die be- und gefürchteten Ausschreitungen.

Das Orginal meiner Stadt spielt für die Medien auf.

Die ersten Geschäfte machen dicht - so dicht, das nichts mehr durch paßt.

Der Rostocker Hof - es großes Haus der Stadt.

Was blebt, sind Türen, so eng wie eine Wohnzimmertür..

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So gemütich stellt sich meine Stadt in allen Tagen dar. Straßenmusikaten begleiten die Passanten der größten Einkaufsstraße von Rostock - der Kröpeliner Straße.

Der Uniplatz ist nicht nur eine LiegeOase für Studenten.

Doch ab heut sieh es  im Zentrum unserer Stadt alles anders aus.

Die Geschäfte haben vor ihren Türen Barrikaden aufgebaut. So wollen sich die Geschäftsleute und Händler vor möglichen Ausschreitungen schützen, die sicher in Folge der ersten Demonstration zu erwarten sind.

Morgen - ab 13 Uhr - ist die Innenstadt für die erste Demo gesperrt.

Ich wohne und lebe am Rande des Geschehens, das sich in den nächsten Tagen weiter entwickeln wird. Niemand weiß, was meine Stadt erwartet und doch steht Rostock  im Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen in Heiligendamm im Mittelpunkt des Weltgeschehens.

Wie so oft - so auch im Zusammenhang mit dem Gipfelstreffen - stelle ich mir die Frage, ob die hohen Herren und Frauen des Gipfels die vielen Anliegen der Demos überhaupt bis in ihr Bewußtsein vordringen lassen?

Reichen Demos wirklich aus, um eine Wende in der Wirtschaftspolitik zu erreichen? Eine Wende, die die Richtung des Geldflusses in die Hände lenkt, die das Geld am nötigsten haben. Die Armut der dritten Länder - woher stammt diese Formulierung überhaupt - schreit zum Himmel und jeder, der über einen gesunden Menschenverstand verfügt weiß, das die Ausbeutung dieser Länder nicht endlos weiter geführt werden kann. Irgendwann fällt es den Industrienationen sowieso auf den Kopf.

Doch die Reniten sollen wie eine Springquelle weiter fließen - fließen in die GeldSäcke, die sowieso schon zum bersten voll sind.

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