Das Wochenende ist die Zeit der Besinnung und Erholung.
Abstand finden von den Ereignissen der Woche, Familienausflüge machen oder auf sich selbst besinnen oder einfach mal abmatten. Doch für andere bedeutet ein Wochenende Langweile, die den Menschen ziellos durch die Zeit driften läßt. Um die Langeweile tot zu schlagen, kann man sich auch voll laufen und die Sau raus lassen. Daraus entwickeln sich oft die nächtlichen Umtriebe, die grade Haltlose auf dumme Gedanken kommen läßt. Das sind die Tage, an denen oft die Wartehäuschen unserer Straßenbahnhaltestellen zerstört werden. Ein trauriges Bild zeigt sich entlang der Trasse der Straßenbahn am nächsten Tag, wenn vor der gläseren Haltestellen jede Menge Scherben liegen.

Heut spielte sich in der Nähe meiner Wohnung scheinbar eine andere Schlacht ab, die ihren Tatort in den vier Wänden von jungen Bewohnern im Nachbarhaus hatte. Weil mein Schlafzimmerfenster zu der Hausseite raus geht und ich nur bei angekippten Fenster schlafe, wurde ich oft Zeuge von nächlichen Streitigkeiten. Lallend, heulend und mit versoffener Stimme wurden Probleme lauthals weit nach Mitternacht vor der Eingangstür erörtert. In unregelmäßigen Abstanden fand immer mal wieder solch ein Debakel vor dem Nachbarhaus statt. Wenn es den Mietern des Hauses zu laut und zu bedrohlich erschien, riefen sie die Polizie. Die brachten die jungen Leute wieder zur Resson und dann ging es wieder friedlich - zumindest nach außen sichtbar - unter ihnen zu.
Doch heut sorgten sie wieder für eine Überraschung und leider weiß ich noch nicht, was in der Wohnung vorgefallen ist. Zufällig war ich am Fenster. Da fuhr der gelbgrüne Einsatzwagen der Poliziei vor. Das war ja nichts neues, doch kurze Zeit später fuhren Kranken- und Arztwagen ebenfalls vor.

Eine gute Stunde später.
Die Zeit war endlos, die das Team der Sanitäter, Ärzte und Polizei in der Wohnung verbrachten, bis dann ein junger drahtiger Mann mit einem Haarschnitt, der ihn hart aussehen lies, flotten Fußes aus dem Haus und in den Krankenwagen stieg, nachdem er zuvor eine geraucht hat. Alle, die zuvor in der Wohnung des Tatortes waren, standen jetzt vor dem Krankenwagen und unterhielten sich mit dem Verletzten, der so gut beisammen war, wie ich in dem Moment, die als Gaffer hinter der Gardine das Geschehen neugierig verfolgt.
Kranken- und Ärztewagen zogen mit dem Verletzten ab, der Einsatzwagen blieb jedoch vor dem Haus zurück. Die beiden Poliziemänner standen draußen in der Sonne und es sah aus, als warteten sie auf das Eintreffen von anderen Mitarbeitern.

Leider konnte ich mich als Gaffer nicht länger hinter der Gardine verstecken, denn ich mußt noch zum Supermarkt. Als ich wieder zurück kam, war auch der Einsatzwagen wieder verschwunden und ich kann nur spekulieren, welches Drama sich im Nachbarhaus an einem sonnigen Samstag nachmittag wie heut abgespielte.