Februar 25, 2008
Montags und Dienstags ist Berufsschule für Sohnimann. Das sind die Tage, die nicht schon um 5 Uhr sondern erst um 6 Uhr beginnen. Das Wecktheater ist trotzdem immer das selbe. Egal ob um 5, 6, 7, 8 oder 9 Uhr. Die Kraftmotor, den ich jeden morgen anwerfen muß um einen 18 Jährigen aus den Federn zu zerren entspricht den für einen Traktor. Manchmal höre ich mich schon in der Lautstärke eines Motors aufheulen. Außer ein müdes “Jaaaa” und schwaches angedeutetes Kopfheben bekomme ich weiter nichts als Resonanz auf mein Aufheulen. Doch Kraft meiner Wassersuppe schaffe ich ihn dann doch aus den Federn und Kraft seiner Wassersuppe schafft er es aus den Federn und schleppt sich in die Schule, so wie heut.
Nach Schulschluß nimmt die Energie meines Sohnes rasant zu. Der Kopf kommt höher, die Schritte werden zackiger und die Bewegungsgeschwindigkeit nimmt proportional mit den Vorhaben zu, die auf der Beliebheitsskala im Freizeitbereich ganz oben stehen.
Heut kommt Sohnimann schwungvoll nach Haus und noch bevor er ans Essen denkt, stürzt er sich an den PC, geht zielgerichtet online und ruft eine Seite auf, die auf der linken Seite einen Warenkorb als kleines Button hat.
“Was willst duuuu auf denn auf die Schnelle kaufen ? ” frage ich erstaunt und ich gebe mir Mühe, ihm seinen Kaufwunsch zu zerreden. Von “Du hast doch genung zum anziehen” bis “Spar doch dein Geld” ist alles dabei, doch nichts davon fruchtet. Er sucht weiter und stellt penibel seine Warenlieferung zusammen. Ich gebe meine Zerredungskunst auf und spare meine Energie für andere Dinge, wie z.B. Essen zubereiten. Es folgt noch ein kurzes Telefongespräch zwischen Sohnimann und Freund. Sie gehen zusammen in einer Berufschulklasse und haben sich eigendlich grade getrennt. Doch es gab wohl noch etwas wichtiges zum Abgleichen. Wenig später kommt der Freund zu uns und segnet den Onlineeinkauf von Sohnimann ab und schon ist er auch wieder verschwunden.
“Was war denn das?” frage ich etwas erstaunt.
“Ja, ich hab für ihn mitbestellt” erhalte ich zur Antwort.
“Achja” antworte ich “und so auf die Schnelle?”
“Wir waren in der Berufschule heut online und da haben wir diese Seite gefunden. Die Sachen sind da so billig, dass wir schon in der Schule bestellen wollten. Aber da war die Stunde grade zu Ende”
“Aha” denke ich “was machen die Jugendlichen denn im Unterricht? Sollten sie nicht auch etwas anderes lernen, außer das Geld über das Internet zu verschleudern?”