Januar 24, 2008
Wenn der eine sich nach dem anderen sehte, dann half ein Telefont über diesen kleinen Schmerz hinweg. Meistens rief ich an und erkundigte mich nach seiner Meinung zu den neusten politischen Ereignissen oder ich erkundigte mich nach einer genauen Schilderung einer Begebenheit aus der Vergangenheit oder ich frage nur nach seinem Befinden. Auf alle meine Fragen bekam ich eine Antwort, die mir ein neues Wissen oder einen besseren Einblick oder mich einfach nur wie ein KInd beruhigte. So plauderten wir oft mehr als 60 Minuten. Ich weiß es deshalbso genau, weil er gern am Gesprächsende mir die Zeit durchsagte. “Weißt du, wie lange wir wieder gesprochen haben?” “Nein” antwortete ich ihm. Nach einer kurzen Moment gab er mir die Daten durch “Das waren wieder 63 Minuten”.
Wenn er mich anrief, dann immer mit den Worten: “Ach Mädchen, ich wollte mal wieder deine Stimme hören” und dann plauderten wir wieder über die große und die kleine Welt. Doch drehten sich unsere Gespräche in den letzten Monaten immer häufiger um seine Frau und meine Mutter. Er erzählte von ihr, von ihrem Wesen, von ihrem gemeinsamen Leben und wie sehr er sie immer liebte. Mit jedem Gespräch spürte ich, wie die Sehnsucht nach seiner Frau und großen Liebe, wuchs.
Seit Montag werden wir keine Gespräche mehr führen können. Er, der letzte Mohikaner, mein Vater ist für immer gegangen. Sein handschriftliches Testament für uns 3 Kinder endete er mit den Worten:
“Ich habe ein langes und erfülltes Leben gehabt……. doch auch das Leben verlangt nach seinem Recht ….und es wird weiter gehen”
Leider konnte er die neu erbaute Rügendammbrücke in diesem Leben nicht mehr sehen und so nahm er seinen letzten Wunsch mit auf seine letzte Reise.
Januar 24, 2008 at 2:25 Uhr nachmittags
Es tut mir leid, liebe Nordstrahl!
Ich schicke Dir ganz viel Kraft und positive Gedanken.
Freu Dich, auch in Deinem Schmerz, dass Dein Vater Deinen Lebensweg so eine lange Zeit begleiten konnte !
Und er wird diese Rügendammbrücke noch sehen. Aus einer anderen Perspektive.
Mein verstorbener Vater, ist zu manchen Zeiten im Raum bei mir anwesend und ich spüre ihn ganz klar und deutlich.
GLG Sabine
Januar 24, 2008 at 9:36 Uhr nachmittags
Mein Beileid!
Höre nicht auf, mit ihm zu sprechen und ihn anzurufen. Ich bin sicher, dann wirst auch du ihn von Zeit zu Zeit weiterhin hören.
Ich wünsche dir viel Kraft denk an dich und die Menschen, denen es ähnlich geht.
Alles Gute!
Januar 24, 2008 at 11:10 Uhr nachmittags
Mein Beileid und viel Kraft. Vielleicht gehst du für ihn zur Brücke, udn erzählst ihm davon,
lg Kalle
Januar 25, 2008 at 12:07 Uhr vormittags
Hallo Irene,
mein tief empfundenes Beileid.
LG Klaus
Januar 25, 2008 at 10:39 Uhr vormittags
Das tut mir so leid
Ich drücke Dich mal virtuell
Bea
Januar 25, 2008 at 5:36 Uhr nachmittags
Dein Vater wird weiterleben, so lange du ihn in deinem Herzen hast. Er wird weiterleben, solange du an ihn denkst.
Die nächste Zeit wirst du viel Kraft brauchen. Ich wünsche dir, dass du diese Kraft aufbringen wirst. Denke dabei an deinen Vater. Er wird dir helfen.
Januar 27, 2008 at 10:20 Uhr vormittags
@ Hallo Sabine,
ich danke dir für deine tröstenden Worte. Als ich die Tage danach allein im Haus und über Nacht meines Vaters war, spürte ich ihn noch in allen Räumen. Ich hatte das Gefühl, das er schützend seine Hände über mich hält.
@Hallo Muschelschubserin,
ich danke dir auch für dein Beileid. Ich denke schon, dass ich in Gedanken mit meinem Vater weiter kommunizieren kann. Wenn man jung ist, kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Eltern eines Tages für immer gehen werden. Doch das Leben hat seine eigenen unabänderbaren Gesetze.
@Hallo Kalle,
ich danke dir für deinen guten Vorschlag. Ich werde über Reiki meinem Vater ein Bild von der Brücke schicken. Er hat ja zu Lebzeiten den Bau der Brücke über Zeitung genau verfolgt, war sozusagen immer an Ball des Geschehens.
@Hallo Klaus,
vielen Dank für deine Wünsche. Wenn ein lieber Mensch geht, fühle ich mich immer zweigespalten. Auf der einen Seite wünsche ich, dass der unumkehrbare Prozeß des Sterbens nicht unnötig in die Länge zieht und den herannahenden Tod nicht so lange ins Auge schauen muß.
Auf der anderen Seite wünschte ich mir, dass mein Vater - auch wenn nur noch mit wenig Lebenskraft - unter der Familie bleibt. Doch das hätte gegen die Regeln von Leben und Tod verstoßen. Doch das Leben verlangt nach seinem Recht.
@Hallo Bea,
ich danke auch dir.
@Hallo Hans-Georg,
danke für deine Worte, die ich ganz sicher beherzigen werde. Im Rückblick meines Lebens und des Lebens meines Vater hab ich vor Jahren schon erkannt, dass wir viele gemeinsame Eigeneschaften haben. Teile meines Naturells sind auch Eigenschaften meines Vaters.
Ich wünsche euch alle noch einen schönen Sonntag
Gruß Nordstrahl
Januar 27, 2008 at 6:49 Uhr nachmittags
Hallo!
Du hast wohl Recht: Letzten Endes kann man es sich in jungen Jahren vielleicht nicht vollends vorstellen. Man erwartet das Ende eben nicht.
Aber ich habe bei zwei sehr guten Freundinnen sehr eng miterlebt, wie ein bzw beide Elternteile zu früh gestorben sind.
Und ich habe etwa zwei oder drei Jahre lang akut jeden Tag in einem Zustand gelebt, in dem mein Vater sich auf einer Schwelle zwischen Leben und Tod bewegt hat. Sucht, und zwar nicht die übliche nach Alkohol. Und ich dachte, ich könnte ihn auf die richtige Seite ziehen. Es gab offen gesagt Zeiten, da habe ich gehofft, dass es doch endlich bald vorbei ist - egal auf welche Art.
Zum Glück ist diese schlimme Zeit vorbei, auch wenn ich bis heute mit den Folgen zu kämpfen habe. Zum Glück musste ich noch nicht erfahren, wie es ist, ihn endgültig zu verlieren.
Vielleicht kann ich es nicht vollends nachvollziehen, aber ich weiß es zu schätzen, wenn die Eltern gesund und noch da sind. Und bin mir sehr bewusst über diesen Zustand.
Das nur als kurze “Rechtfertigung”, obwohl ich weiß, dass das nicht nötig wäre und von dir nicht anklagend gemeint war.
Dir weiterhin von Herzen alles Liebe und viel Kraft!
Januar 30, 2008 at 4:06 Uhr nachmittags
Hallo Muschelschubserin,
ich wollte dir mit meiner Antwort nicht zu nahe treten.
Die Gradwanderung mit deinem Vater - das war ein schwerer Weg. Ich begleitet auf diese Weise meine Schwester ebenfalls drei Jahre und weiß, wovon du schreibst.
In der Antwort an dich schrieb ich nur so , über Gedanken zum Lauf des Lebens, in dem, steht man selber noch am Anfang des eigenen Lebens, sich kaum vorstellen kann, dass sich einmal alles ändern wird. Selbst ich werde eines Tages nicht mehr da sein und das wird für meine Kinder aus heutiger Sicht kaum vorstellbar sein.
Ich danke dir für dich guten Wünsche
Gruß Nordstrahl