Januar 8, 2008
Beitrag von Kalle über Erziehungslager oder Warnarrest
Mein Kommentar konnte in Kalles Blog nicht gesspeichert werden und deshalb hab ich ihn in meine Blog übertragen.
Also wenn ich die Nachrichten so verfolge, dann fällt mir auf, dass eine Kampange gegen die Jugendlichen durch die Berichterstattung nahezu forssiert wird. Man nennt das wohl Manipulation.
Doch sind unsere Jugendlichen nicht ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Geht es in ihr nicht gradezu aggressiv zu? Ich selbst spürte schon die Aggression des Staates, der gnadenos “zuschlägt” wenn der Mensch, den das Leben in seine Abhängigkeit getrieben hat.
Man sagt, die Eltern sind schuld. Aber die sind mitunter genau so hilflos in schwierigen Situationen, wie ihre Kinder, die zum Teil mehr von den Medien als von den Eltern erzogen wurden.
Es gibt im hessischen Raum ein sogenanntes Erziehungscamp. Die Jugendlichen, die dort landen sich in der Regel straffällig geworden und haben die Wahl zwischen Knast oder Camp. Der Leiter setzt sich mit den Jugendlichen in aller Härte auseinander, damit sie wieder ins Leben zurückfinden können. Im Grunde haben sie alle schon in frühster Jugend resigniert und irrten ziellos durch das Leben. Sie wurden regelrecht von ihre Langenweile erschlagen. Und damit sich in ihrem Leben wieder etwas bewegt, machen sie dummes Zeug. Das sind sozusagen ihre NebenKampfplätze, die sie sich geschaffen haben, weil sie schon vor dem Betreten des Hauptkampfplatzes sich selbst aufgegeben haben.
Wenn ein Mensch sich nicht mehr spürt, sucht er sich Reize, die ihn sein Innenleben wieder spüren lassen. Im Moment einer Schlägerei spürt der Mensch sich in allen seinen Facetten und schäumt dabei fast vor Glück über. Man nennt das auch “Kick”. Und das gepaart, mit Aggression ist ein gefährliches Pulverfaß, das, wenn es geöffnet wird, vieles um sich herum zerstört.
Der Staat sollte denJugendlichen sinnvolle Beschäftigungen anbieten, damit sie wieder zu einen gesunden Selbstwertgefühl zurück finden.
Doch was hat der Staat vor? Er will mit Erziehungscamps zurückschlagen. Na, was erwartete er denn von seinen Jugendlichen, wenn er selber nicht besser ist?
Oh sorry, Kalle, jetzt hab ich mir etwas viel Luft gemacht :-).
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag
Gruß Nordstrahl
Januar 8, 2008 at 2:25 Uhr nachmittags
Hi Nordstrahl,
es ist schlimm, dass man bei myblog nicht richtig kommentieren kann, sorry, aber damit muss ich leben oder den Anbieter wechseln…
Aber gut, dass du dir geholfen hast, indem du hier antwortest. Die Manipulation durch die Medien finden wir öfters, und du sagst selbst, dass die Kids eher durch die Medien wie durch die Eltern erzogen werden. Das war zu meiner Zeit auch teilweise so, oder hat dich nicht die Bravo aufgeklärt? *ggg
Ich dachte immer, wenn wir gross sind, erziehen wir unsere Kinder einmal anders. Doch wie ich im Bekanntenkreis sehe, hat sich da nicht viel verändert. Im Gegenteil, heute haben die Eltern weniger Zeit, und lassen öfter die Kinder allein vor dem PC oder TV sitzen. Und auf das, was die Kinder dabei sehen, haben sie keinen Einfluss mehr. Mit der Technik (z.b. beim Handy) können viele nicht umgehen, und deswegen können die Kids ungehindert Gewaltvideos sehen, ohne dass die Eltern etwas davon bemerken.
Der tägliche Arbeitsablauf fördert die Familiezusammengehörigkeit nicht, und so lebt jeder meist für sich in den Tag hinein. Verlieren die Jugendlichen dann noch jede Perspektive durch zu wenig Ausbildungstellen, oder einen schlechten Schulabschluss, hängen sie auf der Strasse rum. Angebote zu einer sinnvollen Beschäftigung werden gekürzt oder sind garnicht vorhanden; ihren Kick holen sie sich dann durch Gewalt an anderen oder an fremdem Eigentum.
Dies trifft Migranten umso härter, da sie meist noch schlechtere Ausgangschancen haben wie deutsche Jugendliche, deswegen erscheinen sie häufiger in der Statistik. Doch ist dieses Phänomen ist überall zu finden, auch in unserer Gesellschaft, wie du richtig bemerkt hast. Nur läuft es dort in subtileren Phasen ab. Mobbing am Arbeitsplatz, Kündigungen, Arbeitslosigkeit usw.
Hier sollte die Politik ansetzen, und die äusseren Umstände verändern, dann passieren auch weniger Gewalttaten, denn ohne Perspektiven sind die Menschen gefrustet. Frust fördert Aggression und daraus entwickelt sich diese Gewalt, welche uns im Moment so erschreckt und berührt.
Liebe Grüsse Kalle
Januar 8, 2008 at 3:54 Uhr nachmittags
hallo nordstrahl,
wir haben es hier mit einem klassischen beispiel von ablenkung vor den betreffenden landtagswahlkämpfen zu tun. im prinzip will man die entscheidung “mindestlohn” über die zeit bringen und streut deshalb ein ungutes gefühl von bedrohung usw. aus.
das eklige wort erziehungscamp kann ich nicht mehr hören. zum anderen zeigt das beispiel usa, dass die rückfallquote dort so hoch ist, dass nicht nur zweifel - nein, strikte ablehnung angesagt sein sollte.
andererseits kann man jugendlichen nicht “einbläuen”, was sie in ihrem leben gar nicht gelernt hatten. es muss schief gehen. bei uns wird nur die elite der jungen gefördert. deutschland hat keine “breite” zukunft mehr.
wir sollen abgelenkt werden und die medien haben sich von der industrie wieder einmal ziel lenken lassen. qwas passiert denn, wenn der mindestlohn kommt: es geht wieder steil nach unten, weil das künstliche gerüst “arbeitslosenzahlen” zusammenklappt.
wie immer in solchen fällen: ein thema ohne ende.
lg mondreiter
Januar 9, 2008 at 3:42 Uhr nachmittags
Hallo Kalle,
danke für deine ausführliche Antwort auf meinen Kommentar zu deinem Beitrag. Das Thema der Jungendreife ist unerschöpflich. Mein Sohn - grade erst 18 Jahre - muß sich nun ins Leben einklinken und ich beobachte unbewußte Ängste vor dem Versagen. Die Gesellschaft teilt sich zur Zeit nicht nur in arm und reich, sondern auch in Gewinner und Verlierer.
Auf der anderen Seite suchen die Jugend nach Idealen, denen sie nachstreben können. Das ist ein ganz normaler Prozeß und da sind wir Erwachsenen in die Pflicht genommen und sollten in der Vorbildwirkung authentisch sein.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend
Gruß Nordstrahl
Januar 9, 2008 at 4:11 Uhr nachmittags
Hallo Mondreiter,
Erziehungslager gab es auch zu DDR Zeiten. Dahin kamen die Jugendlichen, die sich um´s Verrecken nicht in die gesellschaftlichen Normen einordnen wollten. Doch ihre gewaltbereitschaft hielt sich in Grenzen. Die Hemmschwellen waren damals nicht so niedrig wie heut, denn es hatte ja noch keine Konditionierung durch virtuelle Gewaltspiele stattgefunden.
In unserere Gesellschaft - im Gegensatz zu den Naturvölkern - fehlten wichtige Rituale, an denen die Jugendlchen reifen und bewußt erwachsen werden können. Fast alle Rituale hat sich der Commerz unter den Nagel gerissen und z.B. aus der Konfimation oder Jugendweihe eine Geschenkeorgie gemacht.
An dem Tag, wenn die Jungen und Mädchen Jugendgeweiht werden, sitzen sie nur in der Ecke und zählen die Geldscheine und tauschen sich anschließend untereinander per Handy aus, wer die “höchsten Einnahmen” hat :-).
Aber wir Erwachsene haben dies - unabhängig von der Gesellschaft - und die Bedeutung der Rituale und wichtigen Traditionen verludert. Da mache ich auch keine Ausnahme. Doch heut ist bei mir die Erkenntnis gereift, dass es ohne sie nicht wirklich geht, wenn die heranwachsende Jugend wieder eine Lebensbasis bekommen soll.
Ich danke dir noch für deine Ausführliche Antwort, die besonders die politschen Hintergründe beleuchtet.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend
Gruß Nordstrahl
Januar 10, 2008 at 11:39 Uhr nachmittags
Hi Nordstrahl,
yep es gibt Gewinner und Verlierer, aber deswegen sind die Eltern nicht immer schuld, was aus den Jugendlichen wird. Oft trägt die Umwelt viel dazu bei.
Du sprichst von “Konditionierung durch virtuelle Gewaltspiele§, ich würde eher sagen durch die Medien, dnn nicht nur diese Spiele, sondern auch Musik, TV und unsere Presse haben Einfluss auf die zunehmende Tolerierung von Gewalt. Wenn Konflikte weltweit nur durch Gewalt und Kriege gelöst werden, und einem täglich Angst vor Terroristen und Anschlägen eingeflösst wird, braucht man sich nicht zu wundern, wenn dies auf die Jugend abfärbt. Der Staat antwortet mit Härte, doch Gewalt erzeugt Gegengewalt und so kommt die Spirale nie zum Ende….
Lg kalle
Januar 12, 2008 at 5:04 Uhr nachmittags
Hallo Kalle,
wie man sieht, ist das Thema fast unerschöpflich, denn es zeigen sich - je tiefer man ins Thema eindringt - immer neue Aspekte.
Du faßt die “Konditionierung” noch viel weiter als ich und damit erweitert sich das Feld, das unsere Jugendlichen im Kopf kirre machen kann.
Die Medien - es verkaufen sich ja Negativschlagzeilen besser als Positive Berichterstattung - sprechen einen Instinkt im Menschen an, den man mitunter schon niederen Instikt bezeichnen kann. Jedoch liegen die Hebel dafür in der Hand der Eltern. Sie entscheiden in der “Prägungsphase” ihrer KInder und Jugendlichen, was sie an ihre Sprößlinge heranlassen und was nicht. Das heißt, damit ist man auch als Erwachsener aufgerufen, das heraus zu filtern, was den Menschen krank macht. Wir haben - ich auch - die Wirkung der Medien auf unsere Heranwachsenden doch sehr unterschätzt.
Nach der Wende ging die Zeit von “Timur und sein Trupp” ( ala Alfons Zitterbacke )entgültig zu Ende und die Neuzeit streut eher Aggression in die Köpfe unserer Kinder.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend
Gruß Nordstrahl
PS: Wenn es deine Zeit erlaubt, dann werfe ein Auge auf die Seite “Damals war´s”
Januar 12, 2008 at 10:08 Uhr nachmittags
Schönes Thema.
Gleich zu Anfang mal ein Schlag mit dem Holzhammer: Die Kinder, die hier straffällig werden (es sollen angeblich auch mal deutsche Kinder dabei sein) sind der Sproß der 60er und 70er-Generation, die sich so gerne selber mit fast gleichlautenden Artikeln feiert. Ich denke, dass die zwischenzeitlich allgemein bekannt sind.
Generell sind die Probleme vielschichtig.
In unserer Gesellschaft gibt es keine “Norm” mehr, nach der erzogen wird. Das ist noch nicht schlimm, aber dazu fehlen eben auch die Werte, die eine Erziehung vermitteln soll.
Das ist nicht neu, sondern hat sich schon länger abgezeichnet und nun werden die Kinder Eltern, die selber schon ohne richtige Werte großgeworden sind.
Dafür haben wir heute mehr Erziehungsratgeber- und Anleitungsbücher, als Steuergesetze.
Wenn Eltern wert auf Werte legen, sind sie oft allein auf weiter Flur.
Da kann man nur hoffen, dass die eigenen Kinder nicht so werden und irgendwie ein Trend zum Umdenken einsetzt.
Was die Statistik angeht.
Es ist wohl so (lt. Deutschlandradio), dass die echten Delikte rückläufig sind. Aber es hagelt schneller und mehr Anzeigen, darum steigt die Statistik, obwohl sie sinken sollte…
Nichtsdesdotrotz sind die Fälle, wo Menschen sinnlos in der U-Bahn oder wo auch immer zusammengeprügelt werden schlimm und stellen deiniges in Frage.
Das die Integration seit Jahrzehnten vernachlässigt wurde, ist auch bekannt, aber da sind wir in guter Gesellschaft, die Franzosen haben da auch ihre Probleme, wobei die seit Jahren viel offensiver vorgehen.
Aimez la France?
Quitez la France!
Dürften wir hier fast nicht sagen.
Denken tun es viele.
Schlimm ist aber, dass auch viele Deutsche keinen Deut besser sind.
Die Kommerzialisierung von allem ist, wie schon vor mir erwähnt, ein weiterer Punkt.
Alles nicht sehr hoffnungmachend…
Auf der anderen Seite kann ich für mich und meine Familie versuchen gegenzusteuern.
Das könnten auch viele anderen.
Januar 12, 2008 at 10:10 Uhr nachmittags
Ups!!!
Da habe ich “deiniges” geschrieben, wo ich “einiges” meinte.
Das kommt von meinen dicken Fingern und den kleinen Tasten.
Entschuldigung.
Januar 13, 2008 at 6:13 Uhr nachmittags
Hallo Unheimlich,
fast gruselig die Anrede :-).
Ja, es kommen immer mehr Fakten zusammen, die die Ursache für die Veränderung unserer Heranwachsenden deutlich machen.
Die marktwirtschaftliche Gesellschaft verkommt mehr und mehr zu einer Wegwerfgesellschaft. Vor Jahren traf es nur die Komsummittel, heut sind es die Menschen. Arbeitslose und Alte werden an den Rad der Gesellschaft gedrängt. Da ist des doch kein Wunder, wenn die Jugend auf die Alten drauf haut. Sie macht ja nur, was die Arbeitswelt schon lange mit den “Alten” macht.
Ja, ich glaube schon, das ein Leben ohne Werte und Normen nicht gut gedeihen kann und es ist schwer, gegenzusteuren. Wer seine Kinder z.B. ohne die Überreizung der Medien aufwachsen lassen möchte, muß sich schon in einen tiefen Wald begeben.
Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntagabend
Gruß Nordstrahl