Leuchtturm ins Jahr 2008

Sein weitreichender Lichtstrahl drang Kilometerweit ins Meer hinaus. Für Seefahrer war er einmal der wichtigste Wegweiser um ihren angesteuerten Hafen sicher erreichen zu können.
Der Leuchtturm von Warnemünde kann von den Touristen nicht nur von unten oder sein Ausblick von oben auf die Stadt und die Ostsee bewundert werden, sondern auch mit Einbruch der Dämmerung sein Lichtstrahl, der sich weit auf die Ostsee hinaus erstreckt. So wie mir ein Leuchtturm-Liebhaber erzählte ist der Warmeünder Leuchtturm einer der wenigen, der noch aktiv ihr Licht auf das Wasser schicken. Die neue nautische technische Ausrüstung hat die Leuchttürme zumindest für die Seefahrer entbehrlich gemacht.

Doch für uns Menschen bleibt er weiter ein Symbol für Lebenshilfe, das in Krisen einen wichtige Rolle übernehmen kann.

Ein markanter Satz “Krisen sind wie Leuchtürme” – ich hörte ihn vor 25 Jahren, als ich selbst in einer Lebenskrise war – übernimmt für mich die Funktion als Wegweiser für einen neuen Hafen, den ich anlaufen muß, um in meinem Leben eine neue Richtung zu geben, die mich sicher an ein Land mit festen Boden führt. Kurz vor Silvester trieb mich eine traurige Nachricht von einer Sekunde zur anderen weit auf das offene Meer meiner aufgewühlten Gefühle. Mein Vater erlittt einen körperlichen Zusammenbruch und mußte sofort in die Klinik eingewiesen werden. Ein gestandener Mann – mit 84 Jahren Jahren hat er sein Leben schon gelebt – ist hilflios geworden. Nach dem Tod seiner Frau und meiner Mutter nannte er die Zeit “meine letzte Wegstrecke” und die ist an einem Punkt angekommen, die uns allen das Abschiednehmen ins Bewußtsein gerückt hat. Abschied von einem geliebten und lieben Menschen und für mich entgültigen Abschied von meiner Kindheit.

Seit Tagen schreitet bei mir der Prozeß des Abschiedsnehmens ununterdrückbar weiter voran und doch sagt mir mein Gefühl, ich muß diesen Prozeß positiv angehen, damit die nächsten Schritte – obwohl von Traurigkeit und Trennungsschmerz verbunden – ich die richtige Richtung für meinen nächsten Lebensabschnitt nehmen kann.

Ich wünsche allen meinen Lesern

und

Bloggern ein frohes und gesundes neues Jahr

Euch Kommentarschreibern bitte ich noch etwas um Geduld was meine Antwort betrifft. Aus Zeitgründen reichte es heut nur für einen Blogeintrag.

4 Antworten

  1. Sehr persönliche und sehr emotionale Worte, die bei mir eine Gänsehaut verursachten.
    Leuchttürme waren – und sind auch heute noch – markante Punkte an den Küsten. An Leuchttürmen kann der Seemann sich festhalten. Sie spenden Hoffnung nach einer langen Überfahrt über das offene Meer, während der nur Sonne, Mond und Sterne den Seemann begleiten.
    Ich wünsche dir für die schwere Zeit, dass du deinen Leuchtturm findest, der dir Hoffnung und Trost spendet.

  2. Liebe Nordstrahl,

    obwohl ich nicht am Meer wohne, liebe ich Leuchttürme auch sehr, udn weiss um deren Bedeutung für die Seefahrt und die Menschen, wie du es beschreibst. Ich hatte jahrelang einen Wasserturm als Zeichen der Heimat und Orientierung, und ich kann dich verstehen, wenn dir die Trennung schwerfällt. Dieses Loslassen ist eine tiefe Wunde in uns allen, bei den einen heilt sie schnell, bei anderen dauert es länger. Ich wünsche dir die nötige Kraft für diese Zeit und in Licht, das dich führt,

    liebe gRüsse Kalle

  3. Ich wünsche dir ebenfalls von Herzen alles Gute und viel Kraft. Ich bewundere dich dafür, in dieser Situation zu versuchen, etwas Positives zu sehen. Ich versuche das selbst auch immer wieder und ich weiß, dass es geht, aber es ist sehr schwer. Aber so ist das meistens: Der leichte Weg ist noch lange nicht der richtige.

  4. Hallo Hans-Georg, Kalle und Muschelschubserin,
    unbewußt war mein Vater mein Leuchtturm im Leben, denn im Rückblick eiferte ich ihm nach, ohne dass er mich darum bat oder dazu aufforderte. Aber die Art, wie er die Dinge des Lebens anging beeindruckten mich schon als Kind. Ich sehe mich heut noch, das ich ihn mit einem Auge immer beobachtete, wie dieses kleine Ereignis:

    “Die Leitung der langwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften war kein leichtes Brot, denn die zusammengeschlossenen Bauern hatten alle ihren eigenen Dickschädel und sie gingen mit ihren Worten auch nicht zimperlich um, wenn ihnen etwas gegen den Strich ging.

    Einmal kam wutenbrannt ein Melker zu uns in den Garten – es war Sonntag – und machte meinen Vater mit Worten buchstäblich nach Strich und Faden kurz und klein. Ich war in der Nähe der beiden und wäre am liebsten – um meinen Vater zu verteidigen – auf den Melker mit meiner Hacke losgegangen.

    Mein Vater lies sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und antwortete auf die wutentbrannten Fragen des Melkers sachlich. Der zog dann zahm wie ein Lamm wieder ab und mein Vater widmente sich weiter der Gartenarbeit. ”

    Damals nahm ich mir vor, auch immer ruhig zu bleiben, wenn jemand um mich herum hektisch mit den Flügeln schlägt. Doch ich brauchte noch Jahrzehnte, bis mir das wirklich gelang :-) .

    Die ärztlichen Untersuchungen ergaben, dass uns allen noch etwas Zeit bleibt und wir alle können uns auf seiner letzten Wegstrecke in Ruhe verabschieden.

    Bis es soweit ist, wird sich mein Vater noch einen neuen Flachbildschirm anschaffen. Das hat er sich fest vorgenommen :-) und zeugt für mich noch für eine Menge Lebenswillen.

    Gruß Nordstrahl

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