Posted by: nordstrahl on: November 23, 2007
dann steht die Welt Kopf und eine Schuldzuweisungswelle setzt ein. “Das hätte verhindert werden können” heißt es dann “wenn…ja wenn..”. Jeder weiß es besser als der andere und die Verantwortlichen haben in den Augen der anderen sowieso keine Ahnung gehabt. Nachdem sich die Aufregungs- und Schuldzuweisungwelle wieder gelegt hat, ist wieder Ruhe im Schiff und das Leben nimmt wieder seinen gewohnten Lauf auf, ohne dass sich wirklich etwas an den Umständen, die zum Tode eines Menschen oder gar vielen Menschen geführt haben, etwas geändert wird.
Wenn ich dabei an die Amokläufe der jungen Menschen denke. Oft Schüler der Gymnasien, die mit einer Knarre durch ihre Schulen gehen um ihrer Lehrer und Mitschüler abzuknallen wie Karnikel. Seit Jahren das selbe - erst geht ein Aufschrei durch die Gesellschaft und dann? wieder Ruhe im Schiff. Ich höre oder lese nie wieder davon. Niemand teilt der Öffentlichkeit mit, was in den Menschen vorgegangen ist, warum es zu solchen Bluttaten in Friedenszeiten kommen konnte.
Die kleine Lea-Sophie - ich mag gar nicht daran denken, was dieses hilflose Wesen erleiden mußte - hält die deutsche Nation wieder in Schrecken. Und wieder geraten die Behörden unter Druck und wieder wird der Ball der Schuldzuweisung von einem zum anderen geworfen. Doch am Ende bleibt alles wieder beim alten. Die Mittel reichen für verstärkte Kontrollen nicht und so geht ein Schicksal - wie das von Lea-Sophie - unter.
Warum es in unserer fortgeschrittenen zivilisierten Gesellschaft immer häufiger vorkommt, dass es Mütter oder Eltern gibt, die ihre Kinder derart grausam den Bach runter lassen gehen, kann ich nur schwer nachvollziehen.
Ich bin bei weitem keine Ewig-Gestrige, doch mit den sogenannten Mütterberatungen der DDR Zeiten wurden die Kinder regelmäßig den Kinderärzten vorgestellt und untersucht. Das hatte nichts mit Politik oder staatliche Kontrolle zu tun, die Kinder wurden vom Säuglingsalter bis zum Kleinkindalter den Kinderärzten zwar in immer größer werdenden Abständen, aber doch regelmäßig dem Kinderarzt für eine Art Vorsorgeuntersuchung vorstellt. Kam eine Mutti nicht zum Termin, dann mußte sie einen neuen Termin machen.
Solch ein oder ein ähnlicher Ablauf hätten die Qualen von Lea-Sophie noch vor ihren Tod ein Ende setzen könne, denn zur Vorsorgeuntersuchung hätte die Mutter mit ihrer Tochter und nicht nur allein mit den Geschwisterkind erscheinen müssen.
Ja..ich weiß, jetzt kommt wieder ein neuer Aufschrei “Wo bleibt da das Selbststimmungsrecht?” höre ich wieder. Und so folgt auch auf dieser Schiene wieder ein nationaler Aufschrei..doch wohin führen alle diese Aufschreie? Ich sehe dahinter nichts weiter, als ein neues sich anbahnendes Drama, wie dieser hier:
Die Schweriner Jugendamtsleiterin Heike Seifert soll bereits vor einem Jahr im Sozialausschuss der Stadtvertretung erklärt haben, das Amt sei durch Mittelkürzungen völlig überlastet. Die Vize-Vorsitzende des Landeselternrates, Verena Riemer, zitierte Seifert mit den Worten: “Ich kann nicht garantieren, dass wir nicht auch in Schwerin ein totes Kind haben werden.”
Nun ist ein KInd tatsächlich in den Brunnen gefallen - die kleine Lea-Sophie, deren Schicksal und Bild noch einmal in allen Größen die Schlagzeilen der Medien ein letztes mal füllt. Danach ist erst einmal wieder Ruhe im Schiff. Doch wie lange hält die trügerische Ruhe an? Bis zum nächsten Aufschrei ?
1 | Hans-Georg
November 23rd, 2007 at 5:04 Uhr nachmittags
Interessant an diesem Fall ist, dass die Familie vorgeladen wurde und die Kleine nicht dabei gewesen ist. Das hätte dem Amt zu denken geben müssen.
2 | Nordstrahl
November 24th, 2007 at 9:47 Uhr vormittags
Hallo Hans-Georg,
ja..nun rauchen die Köpfe der Landes- und Bundesregierungen wieder. Auch wenn unsere Gesellschaft in Wissenschaft und Technik schon sehr weit fortgeschritten ist, häufen sich doch die Fälle der Kindesmisshandlungen durch die Eltern - so gestern der Kinderschutzbund.
Auch die Aggression steigt und sie richtet sich immer öfter gegen die eigenen Kinder. Und wer z.B. vielleicht in der eigenen Kindheit Gewalt erfahren hat, wird sie als Elternteil weitergeben.
Auf der anderen Seite sind die Mutter- und Vaterinstinkte bei allen Menschen bei weiten nicht so weit ausgeprägt, wie sie im Buche stehen und das kann fatale Folgen bei Überforderung der Eltern für ein Kind haben.
Nun diskutiert man endlich deutlicher über Pflicht-Vorsorge-Untersuchungen und in MV soll diese per Gesetz schon 2008 wirksam sein.
Traurig..traurig alles, was kleinen Menschenkindern sagar im Elternhaus zustoßen kann :-(.
Dir noch ein schönes Wochenende in HH
Gruß Nordstrahl
Neueste Kommentare