“15 Jahre wollen wir haben”sagte der Staatsanwalt leidenschaftlich und klopfte bei jedem Wort seine Faust auf den Tisch, als er für die Kamera sein Verlangen nach Bestrafung deutlich machte.  Zwischen seinen Augenbrauen war die Falte auf der Stirn so tief, wie der Graben zwischen den Welten, in denen sich das Drama seit Ostern abspielt. “Das wird ein harter Tobak für den 17jährigen Marco” sagte mir bei dem Anblick des Staatsanwaltes mein Bauchgefühl und mein Unbehaben schläg sich auf die Seite einer bösen Vorahnung. “Den jugerndlichen Hilflosen werden sie so schnell nicht wieder rausrücken. Wenn sie ihn schon mal im Schwitzkasten haben, dann soll er solange wie möglich darin bleiben”

Alles was mit Recht und Gesetz zu tun hat, sollte ohne Emotionen angepackt werden, doch dem Staatsanwalt stand die Leidenschaft zur Klage auf 15 Jahre für Marco auf der Stirn geschrieben. Und nicht nur das war es, was bei mir Unbehagen auslöste. Es war das Mädchen, dass dem Marco zu nahe getreten ist. Da stimmt etwas nicht, geht nicht mit rechten Dingen zu. Ich kann es nicht beschreiben, aber etwas läuft an der Klage gegen Marco nicht rund. Das Mädchen versteckt ihre zu früh herangereifte Fleischeslust hinter der kirchlichen Moral. Von der Mutter (vor)geschobent und gestärkt, vom Bruder begleitet zieht das Mädchen in den Schlacht gegen den eigenen Werteverfall ihrer aufgesetzten Moral. “Was nicht sein darf, kann nicht sein” so funktioniert die perfekte Verdrängung, die das eigene Vergehen auf den trüben undurchsichtigen Grund der Lebenslügen absinkt läßt.

Heut wurde wieder einmal vertagt. Und wieder gab es einen ”triftigen” Grund, den 17jährigen für weitere 4 Wochen in Unterssuchtungshaft zu halten. Das Verlangen nach Genugtuung der Familie des Mädchens kennt kein Ende. Doch von Gläubigen erwarte ich eine andere Einstellung zum Leben. Der Papst hat es ihnen vor ein paar Jahren vorgemacht. Er hat seinem Attentäter die Sünde vergeben. Doch die Mutter des Mädchens ist nicht einmal bereit, mit den Eltern von Marco auch nur ein paar Worte zu wechseln oder in ihre verängstigten Augen zu schauen. Warum ?  

Für Marco begann die schwerste Reifeprüfung seines Lebens aus dem Stand, sozusagen von Null auf Hundert und ich hoffe für ihn, dass sein Naturell diesen harten Tobac verkraftet und er den Weg ins normale Leben zurück finden kann.

Doch niemand weiß, wielange die undurchsichtige Hinhaltetaktik Marco noch in türkischer Untersuchungshaft hält.