September 16, 2007
Höhenangst war mein Lebensbegleiter seit ich als Kind von einem Baum fiel. Schön weit oben und dann der Ausrutscher. Mein Kopf flog zwischen den Stämmen hin und her - ich hörte es noch donnern bevor der Schmerz kam - dum - dum - dum - dum - dann lag ich endlich unten auf dem Boden und aus der Traum vom hohen Baum - ich war traumatiesiert.
Auch für mich war es das mit dem Klettern - DAS wollte ich meinem Kopf nie wieder antun. Außer Beulen ist zwar nichts gewesen, doch sie reichten, das ich für den Rest meines Lebens die Höhenangst so kultivierte, bis sie sich zu einer ausgeprägten Höhenangst entfalten konnte.
Von dem Zeitpunkt an reichte es, dass ich im Traun auf einem hohen Seil oder ähnliches stand. Der Druck der Höhe wurde sogar im Traum zu einem Sog in die Tiefe. Wähend ich im Traum in die Tiefe fiel - ich fiel im Schreck aus dem Traum und fast aus dem Bett. Mit Schweißperlen auf der Stirn beruhigte in der Nacht mein Gemüt “Das ist doch alles nur ein Traum”.
Später hielt ich meine kümmerlichen Kletterfähigkeiten auf den Spielplätzen über Wasser und das war es dann auch schon.
Heut stellte ich mich noch einmal meiner Angst vor hohen Bäumen und besuchte den Kletterwald in meiner Nähe. Nachdem ich mir die Kletterkünste der anderen schon lange vor diesem Sonntag anschaute - es sieht aus der Distanz alles babyleicht aus - faßte ich mir heut ein Herz und stieg auch in die Bäumen. Natürlich nicht ohne Sicherheit. Feste Schuhe, 2 Karabinerhacken, ein paar dicke Handschuche und eine am Sicherheitsgürtel befestigte Laufkatze war mit Mindestausstattung, mit der ich mich in den Baumkronen aufhalten konnte.
Dies ist ein Einblick in den Kletterwald - Fotos die ich als Zuschauer machte.
Mit leicht klopfendem Herzen besteige ich die erste Runde. Es ist der Fitnessbereich - so nennt man den Parkour, der auf 2 m Höhe angebracht ist. Die ersten Karabinerhacken haben sich an den Sicherheitsseilen eingeschnappt und ich gehe über das erste Hinderniss - ein geflochtenes Seil zwischen 2 Bäumen. Das klappt besser als ich dachte. Nach einer Minute hab ich den nächsten Baum erreicht. Das unter meinen Füßen Köpfe sind, stört mich nicht. Ich konzentriere mich auf die grünen Stricke, die wie ein Leiter geflochten zwischen 2 Bäumen hängen. Das nächste Hindernis ist ein kaum beweglichen Untergrund, auf den es sich gut gehen läßt. Rechts und Links von mir begleiten mich Stahlseile,an denen ich mich gut halten kann. Ich bin zuversichtlichen. Wenn das so weiter geht, ist alles nur ein Kinderspiel. Ich erreiche die nächste Zwischenstation ohne Probleme.
Doch die Schwierigkeiten nehmen zu und der nächste Auftritt für meine Beine ist beweglich. Die Stahlseile halten mich, doch was unter meinen Füßen ist, schauckelt wie eine Kinderschauckel hin und her.
Und mit der Schaukel bewegt ich mein Körper, den ich nur über das Sicheheitseil halten kann. “Wie machen das bloß die Kleinen?” frage ich mich. Denn die legen die Hindernisse locker hinter sich. Ich schauckle mich zum nächsten Baum, der mit einem neuen Schwierigkeitsgrad wartet.
Ein einfaches Stahlseil ist weitläufig zwischen 2 Bäumen gespannt. Der Kletterer findet Halt an den Stahlseilen die seitlich in Handhöhe geführt werden. In der Mitte angekommen, schwingt das Seil von rechts nach links und wieder zurück. Ich schwinge mit und statt mich an den Führungsseilen zu halten, hänge ich in ihnen. In diesem Moment kann ich verstehen, was ein Seilartist leisten muß. Und er hat nur einen Stab in der Hand - nix mit Führungsseilen für zusätzlichen Halt.
“Das ist nur eine Vorbereitung auf den nächsten Abschnitt” sagte die Trainerin des Kletterwaldes. Sie ist eine von zahlreichen Mitarbeiterinnen, die für zusätzliche Sicherheit sorgen, dass heißt, die geben wertvolle Tips und beachten die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.
“Nur eine Vorbereitung? Auf Was”?
Doch ich bin oben und kann nicht einfach aussteigen, auf wenn eine leichte Angst innerlich schon aufsteigt. Der Angsthase klopf schon kräftig an meine Herzwand. Ich beruhige ihn und nehme die nächste Hürde, die aus frei längst schwingenden Baumstämmen von ca. 2 m Länge bestehen. Außer dem Führungsseil über mir, ist der nächste Halt 2 m weg. Es schauckel unter meinen Beinen - nach von, nach hinten, zur Seite - alle Bewegungsrichtungen sind möglich. Doch der nächste sichere Griff ist weit wehg. Konzentiert nehme ich den ersten Stamm und den 2. Stamm. Es ist bald geschafft. Der 3 und letzte Stamm hängt in seiner 2 m Länge vor mir. Mit dem Hintern klemme ich zwischen der Halterung hinter mir. Diese Klemme gibt mir Halt, mein Hintern will sich aus der sicheren Lage nicht lösen. Vorgebeugt stehe auf den wankenden Untergrund und warte auf den richtigen Moment, auf den letzten Stamm aufzusteigen.
Hinter mir, auf der Plattform, sammeln sich die nachfolgenden Kletterer. Es darf nur einer zur Zeit auf der Stecke sein. Ich kann meinen Hintern nicht länger in der Klemme halten, ich muß auf den letzten schwingenden Baumstamm überwechseln. Mein Angsthasenherz bäumt sich auf und will flüchten. Doch wohin? Es gibt weder ein Zurück noch ein Vor. So scheint es jedenfalls. Hinter mir stehen wartend die anderen Kletterer. Ich muß den letzten Übertritt machen und auf den letzten längst hängenden Baumstamm bis an das andere Ende weiterbalancieren.
Ich nehme mein Hasenherz in die Hand und schwinge mich auf dem Baumstamm. Er schwingt frei wie die anderen und nimmt ohne zögern den Rhythmus von meinem wild schlagenden Hasenherz auf. Beide schaukeln sich hoch und weg ist der Stamm, der mir der Weg zur nächsten Station sein sollte. Ich hänge in Seilen, zum Glück in den Sicherheitsleinen und muß wie Rapunzel auf meinen Retter warten.
Der läßt zum Glück nicht lange auf sich warten, denn der Kletterspaß soll ja weiter gehen und das nicht nur für mich. Mein Retter - ein netter Trainer - stellt mir eine lange Trittleiter unter meine hängenden Füß. Ich hab wieder Boden unter den Füßen und schaffe den letzten Schritt auf die Zwischenstation.
Das war meine Feuertaufe, denn danach läuft alles wie geschmiert. Die zahlreichen Seilbahnen des Kletterwaldes sind eine Entschädigung für die kraftvolle und ungewohnte Armarbeit.
Doch mein Handgelenke sprachen eine deutliche Sprache. Wenn sie mich länger als 30 Sekunden am Seil halten sollen, dann sollte ich vorher mindestend 5 Kilo abspecken. Sie hielten mich nur 15 Sekunden, dann war keine Kraft mehr in den Gelenken”
Den selben Parkour absolvierte ich noch einmal und stürzte an der selben Stelle wieder ab und wie beim ersten mal war mein Retter gleich zur Stelle. Aber diesmal ohne Leiter´. Doch mit seiner Hilfe schaffe ich den Weg auf die schwingenden Baumstämme wieder zurück.
Die Bilder entstanden schon vor meiner Kletterpartie
September 19, 2007 at 1:31 Uhr nachmittags
Das hast Du sehr spannend und lebhaft beschrieben, ich kann mir gut vorstellen, wie es Dir ergangen ist.
Aber BRavo! Gut gemacht
September 19, 2007 at 10:10 Uhr nachmittags
Wow mutig! Erinnert mich an meine “Klettertour” im Pfälzer Wald. Leider kann ich nurversuchen die Höhe auszuhalten, udn mich nicht auf solch wackelige Pfade begeben,
gratuliere zu der Prüfung, lg Kalle
September 21, 2007 at 8:10 Uhr vormittags
Hallo Bea und Kalle,
ja..ich gebe zu, ich kämpfte mit meinem Angsthasen und den Fluchthormonen, die mich ständig zum Absteigen anstifteten.
Doch ich wollte erfahren, wie ich mich dabei fühlte und dabei auch eine Art Sicherheit gewinnen.
Meine Kletterpartie lag nur in 2 oder 3 Meter Höhe. Die nachfolgenden Schwierigkeitsgrade lagen in 4 - 5 oder 6 m Höhe - aber da streikte mein Angsthase
Ich wünsche euch noch einen schönen Tag
Gruß Nordstrahl