Gestern überraschte mich ein buntes Bild auf dem Rostocker Markt. Da wo sonst die Verkaufsstände der Markthändler stehen, drängten sich bunter Wagen mit lauter Technomusik aneinander. Jeder wollte den anderen übertönen, so schien es. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen - es ist Christopher Street Day in Rostock und die schönen Schwulen, Lespen und Bisexuellen wollen sich von ihrer buntesten Seite zeigen.

Einen alten Bekannten traf ich auf dem Boulevard. “Um 15 Uhr kommen die Bekloppten hier durch” informierte er mich. Höflich überhörte ich die Bezeichnung der Menschen, die genau aus dem Grunde zu so einer Demonstration anreisen. Sie wollen selbstbewußt zu ihren Veranlagungen und Neigungen stehen und sie auch der Welt zeigen.

Ich erinnere mich noch an Zeiten, als die Schwulen Scheinehen führen mußten, damit der Rest der Welt an ihrer überholten und verspießten Vorstellung über menschliche Sexualiät festhalten konnte.  

Ja und ich erinnere mich an ein erschütterndes Erlebnis, das sich an einer überregionalen Schule, in der ich zu der Zeit ging, abspielte. Ein junger Mitschüler entdeckte mit seiner Liebe zu einem jungen Mann gleichzeitig seine homosexuelle Veranlagung. Durch die Liebe gestärkt offenbarte er sich seiner Familie im Elternhaus. “Dann habe ich keinen Sohn mehr” damit wurde er von dem Vater abgewiesen - so die Gerüchteküche damals - in eine Sackgasse geführt. Als am Freitag nachmittag im Internat der Schule alle für ihre Abreise die Koffer packten, fand man ihn leblos in seinem Bett. Er hatte einem Ausweg aus der Sackgasse gefunden.

Damals sahen Homosexuelle nur diesen einen Weg um die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass die menschliche Sexualität viele Facetten hat.

Der Umzug der Schwulen, Lespen und Bisexuellen zum Christopher Street ist ein schöner Weg um auch noch den letzten Uneinsichtigen zu zeigen, dass das reale Leben bunter ist, als die Vostellung vom Leben.

Hier ein paar Impressionen vom Umzug gestern im Rostocker Boulevard: