Juli 22, 2007
Gestern überraschte mich ein buntes Bild auf dem Rostocker Markt. Da wo sonst die Verkaufsstände der Markthändler stehen, drängten sich bunter Wagen mit lauter Technomusik aneinander. Jeder wollte den anderen übertönen, so schien es. Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen - es ist Christopher Street Day in Rostock und die schönen Schwulen, Lespen und Bisexuellen wollen sich von ihrer buntesten Seite zeigen.
Einen alten Bekannten traf ich auf dem Boulevard. “Um 15 Uhr kommen die Bekloppten hier durch” informierte er mich. Höflich überhörte ich die Bezeichnung der Menschen, die genau aus dem Grunde zu so einer Demonstration anreisen. Sie wollen selbstbewußt zu ihren Veranlagungen und Neigungen stehen und sie auch der Welt zeigen.
Ich erinnere mich noch an Zeiten, als die Schwulen Scheinehen führen mußten, damit der Rest der Welt an ihrer überholten und verspießten Vorstellung über menschliche Sexualiät festhalten konnte.
Ja und ich erinnere mich an ein erschütterndes Erlebnis, das sich an einer überregionalen Schule, in der ich zu der Zeit ging, abspielte. Ein junger Mitschüler entdeckte mit seiner Liebe zu einem jungen Mann gleichzeitig seine homosexuelle Veranlagung. Durch die Liebe gestärkt offenbarte er sich seiner Familie im Elternhaus. “Dann habe ich keinen Sohn mehr” damit wurde er von dem Vater abgewiesen - so die Gerüchteküche damals - in eine Sackgasse geführt. Als am Freitag nachmittag im Internat der Schule alle für ihre Abreise die Koffer packten, fand man ihn leblos in seinem Bett. Er hatte einem Ausweg aus der Sackgasse gefunden.
Damals sahen Homosexuelle nur diesen einen Weg um die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass die menschliche Sexualität viele Facetten hat.
Der Umzug der Schwulen, Lespen und Bisexuellen zum Christopher Street ist ein schöner Weg um auch noch den letzten Uneinsichtigen zu zeigen, dass das reale Leben bunter ist, als die Vostellung vom Leben.
Hier ein paar Impressionen vom Umzug gestern im Rostocker Boulevard:












Juli 22, 2007 at 7:57 Uhr nachmittags
Hi Nordstrahl,
diesen Ausweg müssen leider immer noch einige gehen (siehe http://www.merkur-online.de/regionen/oberbayern/Michael-Schmidpeter-Preis;art9369,820547), da ihre Umwelt ihnen nicht ein sorgloses Leben wie anderen zugestehen möchte. Um so schöner, dass sich auch bei euch viele zusammenfinden, um für ihre Akzeptanz zu werben. Wie ich sehe, waren ausser den knackigen Ledermännern in Chaps auch die “Schwestern” vom Orden der perpetuellen Indulgenz vertraten
Und dazu ein passendes Wetter, schön, dass es dir gefallen hat,
liebe grüsse Kalle
Juli 23, 2007 at 3:54 Uhr nachmittags
Danke für deinen offenen und toleranten Beitrag. Ich hoffe, dass er auch von denen gelesen wird, die noch lernen müssen, uns zu akzeptieren.
Juli 26, 2007 at 7:01 Uhr vormittags
Hallo Kalle,
es ist und bleibt immer wieder erschütternd, dass noch heut Menschen wegen Intoleranz in ihren Umfeld keinen andern Ausweg sehen, als aus dem Leben zu gehen.
Der Mensch lebt noch viel zu sehr in seiner Vorstellung von den Welt, stellt Ordnungsprinzipien auf, die auf das Leben aufgepfropft werden soll. Das zieht leider immer wieder Dramen nach sich.
“Nicht Ordnung schafft Leben, sondern Leben schafft Ordnung” sagte Saint Exupère. Doch bis diese Erkenntnis in alle Köpfe eingedrungen ist, wird es noch ein langer Weg sein.
Dir noch einen schönen Tag
Gruß Nordstrahl
Juli 26, 2007 at 7:10 Uhr vormittags
Hallo Hans-Georg,
der Suizit eines Mitschülers damals hat mir damals mehr als deutlich gemacht, in welche seelische Not Menschen geraten können, wenn sie aus ihrem Umfeld keine Akzeptanz finden.
Auch schon in der DDR Zeit gab es gute aufklärende Sachbücher, die sich mit Homosexualiät beschäftigten, die jedem, der sie las, den geistigen Horizont um einiges erweitern konnte. Um so weniger konnte ich damals verstehen, warum diese Erkenntnisse von der breiten Masse nicht angenommen werden konnte.
Heut freut es mich, dass die Akzeptanz der gleichgeschlechtliche Lieben schon so weit fortgeschritten ist und sie öffentlich gemacht werden kann, wie es die Fotos zeigen.
Dir noch einen schönen Tag
Gruß Nordstrahl