Ein kleiner Junge noch, doch das posen klappt perfekt, für mich, für meine Kamera.
Doch alles, was über das posen hinaus geht ist harte Reality-show und das sitzt mein kleiner Held lieber an den Rand des Lebens. Heut war es wieder soweit.
Die Trainingsstunde beginnt wie immer mit Aufwärmung. Erst laufen sich die Kinder heiß, dann die Gemüter. Wir Trainer dürfen nicht lange fackeln, sondern Laufspiele an Laufspiele reihen. Heut ist eine Staffeln dran. Es geht um Gemeinschaft, es geht um die Wette. Es geht um Zusammenarbeit, es geht um das Kämpfen.
Mein Held rümpft die Nase „Da spiel ich nicht mit“
„Warum nicht?“
„Weil ich das nicht mag“
„Was magst du nicht?“
„Die sind alle schneller als ich. Das schaff ich nie“ antwortet er theatralisch.
„Wenn du hier sitzt, wirst du noch lahmer, aber nicht schneller“ kontere ich.
Statt eine Antwort `Schweigen im Walde`
Was bliebt, ist sein Blick, der sich als Teil seiner Persönlichkeit nur visuell am Staffelspiel beteiligt.
Ich beobchte ihn weiter aus der Ferne, ohne ihn zu bedrängen.
Er bleibt wieder draußen und sein Blick im Spiel.
Ich sehe seine Sehnsucht und ermuntere ihn doch noch in das Spiel einzusteigen.
Er fühlt sich bedrängt und schaut vom Spiel weg. dabei fällt sein Blick auf sein Knie. Das Knie hat noch eine bläuliche Färbung, Restspuren vom Dienstag, als er im Lauf gefallen ist. Die blaue Farbe erinnert ihn an dem Schmerz und er weint sich alles Tränen des Tages aus den Augen. Ich will ihn nachträglich ein Trostplaster auflegen und lege sanft meine Hand auf sein Knie. Er heult los, wie eine Sirene, als wäre der Schmerz mit voller Wucht noch einmal durchgebrochen. Ich ziehe so schnell wie es geht meine Hand von seinem Knie und mich aus seiner Nähe.
Doch meine Beobachtungt bleibt bei ihm.
Wieder sitzt er am Rand des Geschehens und sieht den Kindern beim Staffelspiel zu. Sein Gesicht ist blaß, die Augen noch von Tränen umrandet.
Dann kommt Bewegung in seinen Körper – er spielt wieder mit. Doch sein Einsatz stellt ihn selber nicht zufrieden, er hätte mehr von sich erwartet.
„Siehst du, hab ich doch gesagt, die anderen sind schneller als ich“ und setzt sich wieder an den Rand. Die Arme vor seiner kleinen Heldenbrust verkreuzt und das Gesicht ist zur Faust geballt. Er spielt nicht mehr mit.
Als das freie Spiel angekündigt wird, ist mein kleiner Held der erste, der am Platz ist.
Er spielt wieder mit, doch nicht ohne sich noch einmal enttäuscht aus dem Verkehr zu ziehen.
Am Rand – weit weg vom Spiel beobchtet er, was in der Halle läuft.
Wenig später setzt er sich noch einmal in Bewegung, doch setzt er seinen Spielstreik an anderer Stelle fort. Dort ist mehr Nähe zum Spiel und zu mir. Ohne mich nach ihm zu drehen, beobachte ich sein Verhalten weiter. Kurze Zeit später sitzt mein kleiner Held direkt hinter meinem Rücken und am Spiel der anderen Kinder.
„Warum weinst du wieder“ frag ich entspannt nach.
„Ich hab allen gezeigt, was ich kann, doch einer hat hingesehen.“
Die letzten Worte gehen im weinen unter und die Tränen fließen noch einmal in Strömen.
Am Ende der Trainingsstunde haben sich seine Tränenwolken verzogen und lächelt fröhlich wie immer. Mit seiner Heldenpose verabschiedet es sich von mir….


